Mai 2025
Set Design
Felix Lenz
5 Min. Lesezeit
Mit: Miriam Daxl, Selma Mühlbauer

Valley of the Hear t's Delight

Gestaltung eines Sets und maßgefertigter Glasstrukturen für Felix Lenz Videoinstallation bei der Triennale Milano 2025.

wide shot of the exhibition setup, with Projection, Wall Elements and Monitors
© Federico Floriani/MAK

Kontext

Für den österreichischen Pavillon der Triennale di Milano 2025 arbeitete ich mit dem Künstler Felix Lenz an der räumlichen und technischen Umsetzung seiner 3-Kanal-Videoinstallation »The Valley of the Heart's Delight«. Meine Aufgaben umfassten das räumliche Konzept und Set-Design für den Dreh zusammen mit Miriam Daxl, die Mitgestaltung einer maßgefertigten Glaswandkonstruktion sowie die Entwicklung eines speziellen Media-Control-Systems zur Synchronisation und Steuerung der drei Videokanäle.

Brute Force

Die zentrale Videoarbeit basiert auf dem 30-minütigen Essayfilm »Brute Force [Exhibition Cut]«, ebenfalls von Felix Lenz, und untersucht die physischen Auswirkungen digitaler Technologien auf die Landschaft rund um das Santa Clara Valley. Dieses Gebiet war einst ein vielfältiges Ökosystem und ist heute hauptsächlich als Heimat des südlichen Teils des Silicon Valley bekannt.

Brute Force (Exhibition Cut), 2025
Film still: West Desert Sinkhole, Utah, USA
Brute Force © Felix Lenz

Moderne Technologien hinterlassen ihre Spuren nicht nur in sozialen und politischen Bereichen, sondern haben sehr greifbare Auswirkungen auf die physischen Räume, die wir bewohnen. Wissensextraktivismus ist Teil einer viel breiteren, kontextuellen Krise, die sowohl Informationskapital als auch natürliche Ressourcen verschärft. Das Silicon Valley und Seltene-Erden-Minen rund um den Globus sind Landschaften, die – vor ihrer Aneignung – im Einklang mit den Menschen existierten, die sie bewohnten. Heute sind sie größtenteils ihrer indigenen Bedeutung beraubt und zu statischen Lagerstätten oder Entwicklungsgeländen für Firmenzentralen reduziert. Diese Belagerung natürlicher Räume ist emblematisch für die katastrophalen Machtungleichgewichte, die digitalen Informationstechnologiesystemen innewohnen.


Set Design

Für das Projekt analysierten wir in enger Zusammenarbeit mit Miriam Daxl und Felix Lenz den Boden des Santa Clara Valley, um – mit Hilfe von Selma Mühlbauer – ein nachgebautes Substrat zu produzieren, das den historischen Boden dieser Gegend vermitteln würde. Die künstliche Natur dieses Boden-Duplikats unterstreicht das Gefühl der Simulation, das in der heiteren und sterilen Ästhetik der Technologie sehr präsent ist.

a gloved hand preparing soil and stones with a metal spatula
© Miriam Daxl
behind the scenes shot of the besoiled pedestal with the camera arm in the background
© Miriam Daxl

Die für den Boden verwendeten Komponenten orientieren sich an den Grundbestandteilen von Muschelbergen, die stark mit der Geschichte der Bay Area verbunden sind. Nach eingehender Recherche zur natürlichen Materialmischung und vielen Iterationen von DIY-Boden produzierten wir zunächst einen Quadratmeter dieses Materials, um es dann am Set hochskalieren und auf speziell entworfene Bühnenelemente auftragen zu können. Zur Vervollständigung von Look und Haptik des Materials wurden grobe Steine und Muscheln hinzugefügt.

the camera is suspended by the robotic arm over rocks and gravel
© Felix Lenz

In enger Zusammenarbeit mit der Firma »Wunderwerk« konnten wir die facettenreiche Matrix dieses Substrats mit einer an einem Roboterarm montierten Kamera einfangen. Die sanfte und orchestrierte Bewegung der Kamera über den Boden unterstreicht den Kontrast zwischen dem Chaos in natürlichen Systemen und ihrer inhärenten Entropie sowie den techtopischen Idealen vermeintlicher Perfektion. Auf dem erdigen Bühnenelement wird der Kameraarm zum Hauptakteur, der die fühlbare, dreidimensionale Vielfalt des Bodens und der Realität zu zweidimensionalen Bildern abflacht und so die Wahrnehmung seiner Umgebung formt.

a man is operating a camera mounted on a roboic arm
© Miriam Daxl
footage of soil can be seen on a professional video control monitor
© Miriam Daxl


Ausstellungsaufbau

Für die größere Ausstellungsinstallation wurde eine Szenerie entworfen, die architektonisch die vom Silicon Valley geförderten Machtungleichgewichte repräsentieren sollte. Als Hommage an die Tech-Hauptquartiere mit ihren eleganten, reflektierenden Fassaden gestaltete ich ein maßgefertigtes Wandelement mit, das die Eigenschaften eines einseitigen Spiegels und eines Polarisationsfilters vereint und eine harte Trennung zwischen außen und innen schafft.

Exhibition View of 3 monitors seen from behind, reflected in a big mirrored wall
© Federico Floriani/MAK

Bei der Ankunft an der Installation schirmen die verspiegelten Elemente den Blick der Besucher·innen vom Hauptbildschirm und Innenraum des Ausstellungsraums ab. Die drei Bildschirme vor der Wand – selbst vom Betrachter weggewandt – werden direkt in der Spiegelfassade reflektiert. Die helle Reflexion der Monitore verspricht auf den ersten Blick zusätzliche visuelle Informationen, doch man wird schnell desillusioniert durch die Erkenntnis, dass die Bildschirme lediglich ein helles weißes Leuchten aussenden.

polarising screen revealing the image of the robotic arm on a screen that otherwise appears white
© Federico Floriani/MAK
the steel beams supporting the mirrored wall piece
© Federico Floriani/MAK

Einmal drinnen verwandelt sich die 2,5 mal 3 Meter große Glaswand vom Spiegel zum Fenster und offenbart, was die Bildschirme zeigen. Die visuellen Darstellungen werden bloßgelegt, und alle Bildschirme bieten den Betracher·innen Einblicke in die heikle Realität unserer Informationstechnologien. Dieser Aufbau legt die komplizierte Beziehung von Unternehmen mit ihren Nutzer·innen und den natürlichen Ressourcen offen, auf die sie angewiesen sind. Was aus dem Zusammenspiel von Spiegeln und polarisierten Bildern entsteht, ist ein Dialog, der egalitäre Ideale meidet und uns mit der Realität hochgefilterter und orchestrierter Informationsflüsse konfrontiert, wie sie in Online- und Offline-Austausch mit digitalen Technologien und den weiteren Systemen, die sie konstituieren und ermöglichen, präsent sind.


Maßgefertigte Media-Steuerung

Der Erfolg der 3-Kanal-Installation hängt von der simultanen Wiedergabe dreier Videostreams ab. Um maximale Genauigkeit zu erreichen, wurde eine maßgefertigte Media-Lösung entwickelt, die auf einem Synchronisations-Script basiert, das kontinuierlich die Timecodes der drei Player mit GPIO-Signalen überwacht und abgleicht.

image of the media console, a uniform utilitarian-looking metal box with cables coming out
© Federico Floriani/MAK
image of the wall element, translucent, showing the projection behind and the glase of two monitors
© Federico Floriani/MAK

Passend zur reduzierten und utilitaristischen Ästhetik des restlichen Ausstellungsaufbaus gestalteten wir eine maßgefertigte Media-Box, die die rechnerischen Komponenten beherbergen und gleichzeitig Platz für die grundlegenden technischen Anforderungen der drei Bildschirme bieten würde: eine Stromquelle und ein HDMI-Signal. Wieder einmal wird technologische Komplexität in einer eleganten, undurchdringlichen Maske verborgen, was dem Werk die magische Illusion von Einfachheit verleiht, die so oft in den Ansprüchen und Produkten des Silicon Valley appropriiert wird.

behind the scenes of Valley of the Heart's Delight studio-shoot
© Miriam Daxl

Credits

Triennale di Milano 2025, Österreichischer Pavillon, beauftragt vom Museum für angewandte Kunst Wien (MAK), kuratiert von Marlies Wirth. Projektleitung: Felix Lenz. Set-Produktion und -Design in enger Zusammenarbeit mit Miriam Daxl und Selma Mühlbauer. In Zusammenarbeit mit Wunderwerk.