Jänner 2021
Design Research & Speculation
Design Investigations
3 Min. Lesezeit
Mit: Johannes Lotze, Valentina Sturn

Soul Sweeper

Untersuchung von Krisenausbeutung durch einen Videoessay über pseudowissenschaftliche Produkte und Scheinmittel.

Körper in der Krise

Soul Sweeper ist ein Produktdesign-Forschungsprojekt. Krisen verstärken Sorgen und Bedürfnisse der Menschen – sie werden empfänglicher für tröstliche Behauptungen, Scheinprodukte und Lügen. Energetisiertes Wasser, Placebo-Pillen und DVDs mit 60 Minuten heilendem Blick zeigen, wie kreativ manche »Erfinder·innen« werden, um den extra Euro zu verdienen. Wie bei vielen Produkten, die das Übernatürliche versprechen, wird eine einfache pseudowissenschaftliche Alternative zum wissenschaftlichen – aber möglicherweise unbequemen – Konsens angeboten. Diese Machenschaften florieren während Krisen.

enthusiastic host
Enthusiastic host

Superfiktion

Basierend auf unseren Beobachtungen entwickelten wir ein fiktives Unternehmen im Bereich der Pseudowissenschaft. Wie gestaltet man eine überzeugende Alternative, wie viel Funktion ist zu viel, was ist Glaubenssache und – vielleicht am wichtigsten – wie kommt man dazu, solche Systeme zu schaffen?

Dr. Bea Alphin-Blois
Dr. Bea Alphin-Blois
Soul Sweeper video essay: actor playing the corporate lawyer character
The layer

Der Film

Wir imitierten eine Teleshopping-Situation, um bekannte Taktiken in übertriebener Form umzusetzen. Unsere Protagonistin Dr. Bea Alphin-Blois entwickelte den Soul Sweeper – ein pseudowissenschaftliches Produkt zur Befreiung des Körpers von schlechtem Licht. Im Film wechseln wir zwischen zwei Situationen: Einerseits sehen wir unsere Protagonistin, die mit den rechtlichen und moralischen Konsequenzen ihrer Erfindung kämpft. Andererseits beobachten wir, wie sie – vermutlich etwas früher – ihr pseudowissenschaftliches Produkt mit fragwürdigen Methoden zu vermarkten versucht.

teleshopping studio
Teleshopping Studio
presentation of the product
presentation of the product

Entwicklung des Soul Sweepers

Mit Fokus auf die Nutzer·innen-Interaktion und die damit verbundenen Auswirkungen auf den Körper entwickelten wir unser eigenes falsches Gesundheits-Tool: eine Lichtbürste. Ein 3D-gedrucktes Gehäuse wurde grundiert, lackiert und mit einer hellen LED ausgestattet. Die Borsten befestigten wir sorgfältig in einer perforierten Acrylplatte, die mit dem Gehäuse verbunden wurde. Der LED-Treiber stammte aus meinem Ambient Light Projekt und steuerte die Helligkeit der LED.

the soul-sweeper in the workshop
making props

Wie es »funktioniert«

Der Soul Sweeper transportiert das schlechte Licht – das täglich durch Umweltfaktoren wie Bildschirme, Straßenbeleuchtung und urbane Lichtverschmutzung auf unsere Hautzellen trifft – durch einen speziellen kristallinen Filter. Das gute Licht, das gleichzeitig durch die Borsten an die Haut abgegeben wird, ersetzt das schlechte Licht in den Körperzellen durch das gute und richtige Licht. So lässt sich ein gesteigertes Wohlbefinden erreichen. Für eine optimale Wirkung des Soul Sweepers kann der spezielle Filter in bestimmten Zeitabständen gegen eine kleine Gebühr gereinigt werden. Der Soul Sweeper ist offensichtlich kein echtes, sondern ein satirisches Produkt, das zweifelhafte Machenschaften aus gestalterischer Perspektive hinterfragt.

Fake medical visualization
Fake medical visualization
application demonstration
Application demonstration

Den fertigen Film können Sie oben auf dieser Seite ansehen.

Credits

Mit Lena Golker, Antonia Patzak, Florian Fleischer und Johannes Lotze. Dieses Projekt entstand in Zusammenarbeit mit Valentina Sturn und Johannes Lotze. Besonderen Dank an die Universität Wien, Lukas Siller, Michael Schmidl und das DI Team.