Navigational Superpowers
Entwicklung bildschirmloser Navigationssysteme durch menschzentrierte Designforschung und räumliches Gedächtnis.

Wie navigieren wir?
Zu Beginn führten wir viele Interviews durch und stellten verschiedenen Menschen dieselbe einfache Frage: Wie merken Sie sich eine Route? Eines wurde dabei klar: Die Navigationstechnologie, die wir täglich nutzen, ist nicht für Menschen gemacht.
Autozentrischer Tech
Menschen sind viel ressourcenreicher und weniger linear. Menschen bewegen sich auf unterschiedliche Weise durch unsere Städte, und dennoch verwenden wir alle dieselbe autozentrierte Technologie. Einer strikten Linie auf einem Bildschirm zu folgen erfordert viel Aufmerksamkeit. Menschen reagieren jedoch auf ihre Umgebung auf eine viel komplexere und eigenartige Weise. Ihre Sinneswahrnehmungen übersetzen sich direkt in Entscheidungen, Geisteszustände und Gefühle. Wir schlagen vor, sich vollständig auf diese Reise einzulassen und nicht nur passiv den Vorschlägen von Algorithmen und Unternehmen zu folgen.

Navigation im Tierreich
Wenn wir einen Blick in die Welt der Tiere wagen, finden wir eine Vielzahl von Navigationskünstler·innen. Eine sticht besonders hervor: Die Fledermaus. In Zusammenarbeit mit der Tierverhaltenswissenschaftlerin Lucy Li verstanden wir ihre Wege im Kontext und machten ihren Navigationsprozess für Menschen erfahrbar.

Headset
Mit diesem Headset können Sie sich akustisch in der Stadt orientieren. Basierend auf der Echolokalisierung von Fledermäusen lädt dieses Wearable dazu ein, die Welt jenseits der Grenzen des Bildschirms wahrzunehmen und sich intuitiv durch Richtungshören, Lautstärke und Rhythmus zu orientieren.


Making of
Das Kunststoffgehäuse ist lackiert. Die Kunststoff-»Flossen« wurden mit Airbrush-Verläufen lackiert und am Gehäuse befestigt. Im Inneren der Kopfhörer befindet sich der Gehörgang, der die aus Aluminiumblech gesponnenen Trichter mit dem Ohr verbindet. Ein passiver Lautsprecher und ein Druckknopf sind ebenfalls eingebaut. Die Daten werden über ein Kabel an den Navigationscomputer übertragen. Das System ist voll funktionsfähig und wird in einer Gürteltasche getragen.


Wie es funktioniert
Der Computer liest Ihre Position und hat das Ziel als Wegpunkt gespeichert. Der resultierende Vektor wird mit Ihrer aktuellen Kompassrichtung verglichen. Daher ist es bei dieser Form nicht so wichtig, ob Sie rechts oder links abbiegen, auf der Haupt- oder Nebenstraße gehen oder sich von einem interessanten Wahrzeichen zu einem Umweg motivieren lassen. Je mehr die Kompassrichtung mit dem Zielvektor übereinstimmt, desto präsenter und rhythmischer wird der Klang. Wenn sie sich voneinander entfernen, wird die Klanglandschaft ambientaler und breiter.

Credits
Design und Elektronik von Lucy Li & Leo Mühlfeld. Zoologin und Fledermaus-Expert·innen: Dr. Guido Reiter, Dr. Andrea Flack (Max Planck Institute of Animal Behaviour). Metalldrücken von Wilhelm Seidl Metalldrücker und Gürtler.