April 2024
Exhibition Design
Vienna Design Week
5 Min. Lesezeit
Mit: Max Kure, Anton Posch

Design with a Purpose

Gestaltung einer Ausstellung bei der ersten Wiener Klimabiennale mit über 20 Designs der Kreislaufwirtschaft.

Industrial-style exhibition room with various objects on metal tables, illuminated by lamps.
Design with a Purpose exhibiton design

Über die Ausstellung

Die Ausstellung »Design with a Purpose«,, beauftragt von VIENNA DESIGN WEEK für die erste Wiener Klima-Biennale., fand in umfunktionierten Hallen der Österreichischen Bundesbahnen statt. Die Ausstellung zeigt über 20 Beiträge in den Kategorien »Geschichten erzählen«, »Verbindungen neu denken« und »Verantwortlich produzieren«.

Die Rolle des Designs

Design, das Gestalten von Produkten, spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung unserer umweltschädlichen Konsumgewohnheiten. Doch die Arbeit von Designer·innen kann auch ein Schlüssel zu einem ökologisch und sozial nachhaltigen Lebensstil sein. »Design with a Purpose« zeigt Beispiele, wie Design Verantwortung übernehmen kann.

Industrial-style exhibition room with a aluminium chair on a metal plinth, illuminated by lamps.
Shaping Residue by Christoph Wimmer Ruelland
Industrial-style exhibition room illuminated by lamps.
lamp and print holders

Wege zur Nachhaltigkeit

Die von »Design with a Purpose« präsentierten Objekte und Projekte zeigen Wege auf, respektvoll mit Materialien, Energie und Menschen umzugehen, ohne auf Ausbeutung zu setzen. Sie erzählen Geschichten und schaffen Verbindungen, statt nur zu oberflächlichem Konsum einzuladen. Sie fordern bestehende Systeme mit frischen Lösungen heraus – alles bei gleichzeitigem Fokus auf Ästhetik und Funktionalität. Von Alltagsgegenständen bis hin zu Handwerk und Lebensmittelbereich bringt »Design with a Purpose« über 20 Positionen zusammen, die im Kontext der VIENNA DESIGN WEEK entwickelt wurden. Ohne den Anspruch zu erheben, eine Lösung für die Klimakrise zu präsentieren, zeigen die gezeigten Beispiele, dass Design verantwortungsvoll, nachhaltig und inspirierend sein kann.


Raumnutzung

Wir erhielten den Auftrag für die Ausstellungsgestaltung und die grafische Gestaltung. Der Schauplatz war eine alte Lackiererei, geprägt von rhythmisch platzierten Neonröhren und zwei großen langen Rastern, die entlang des Raums verliefen. In der konzeptionellen Phase beschlossen wir, in unserer Gestaltung auf den Raum zu verweisen und den Raum zum Träger der Ausstellungsobjekte zu machen, ohne ihm seinen ursprünglichen Charakter zu nehmen. Dafür entwickelten wir ein Rastersystem, das die vorhandenen Raster visuell extrudierte und sie modular in den Raum hineinwachsen ließ.

Wireframe view from a CAD software showing an exhibtion space
CAD Snapshot

Modulare Gestaltung

Die Gestaltung nahm Form in Modulen an. Jedes Modul funktionierte sowohl als Sockel als auch als Träger für Peripheriegeräte wie Beleuchtung und Informationsschilder. Neben freistehenden Modulen mit Höhen von 40 und 80 cm gab es L-förmige Tische, die 90 cm hoch und deutlich länger waren und einseitig an der Wand montiert wurden. Ihr Format von 1:2 ermöglichte es, diese Module ideal zu komplexeren Landschaften anzuordnen. Durch geschickte Platzierung der Module im Raum erreichten wir eine Aufteilung in Themenbereiche und eine Art Rundgang, der zwar wiederholt offen blieb, um freie Bewegung im Raum zu ermöglichen, dennoch eine gewisse Richtungsführung schuf, um die Rezeption zu erleichtern.

Rendered view from a CAD software showing an a modular grid placement
modular grid
Rough Sketch showing two modules, a lighting fixture and measurements
early sketches

Konstruktion und Anpassbarkeit

Diese Module wurden aus quadratischen Stahlrohren mit passenden Eckverbindern zusammengesetzt. Verstellbare Füße sorgten für korrekte Ausrichtung auf dem beschädigten Industrieboden. Maßgefertigte Halterungen befestigten verzinkte Stahlraster an den Stahlrahmen, die visuell auf die am Boden verwiesen. Diese Raster bildeten ein neues Raster, für das wir eigene Beschläge entwarfen und produzierten, die es ermöglichten, die Informations- und Beleuchtungsebene sowie andere Add-ons wie Kopfhörerhalter und Bildschirmhalterungen einfach und modular hinzuzufügen.

Close up image of 3d-printed part on a steel tube fixed with a set screw
print clamp with set screw
Close up image of a 3d printed headphone hook
headphone hook
Picture of a screen and headphones mounted on a 1m by 50cm steel grid
screen assembly

Grafikdesign-Elemente

Wir spielten auch bei der Gestaltung der Grafikdesign-Elemente mit dem Charakter der Lackiererei. Bei unserer Besichtigung bemerkten wir bunte Farbspritzer an den Wänden, wahrscheinlich vom Testen der Spritzpistolen. Wir codierten die Themenbereiche »Geschichten erzählen«, »Verbindungen neu denken« und »Verantwortlich produzieren« in Grundfarben. Im Zentrum dieser Bereiche klebten wir bewusst große Plakate an die Wände, die den Farbspritzern ähnelten, mit stilisierten Verläufen in den jeweiligen Kategorienfarben. Kleinere Schilder, die die einzelnen Objekte beschrieben, zeigten ebenfalls Verläufe in diesen Farben und machten die Zuordnung der Projekte einfach. Das große Übersichtsplakat, ebenfalls an die Wand geklebt, enthielt Farbverläufe aus allen drei Kategorien.

Close up image of text elements that were slid onto steel tubes
Text elements were slid onto the modularly placed tubes
Close up showing a wrinkled poster with some text and red paint splashes
detail of the roughly glued section posters

Reflektierende Elemente

Um ein kontrastierendes Element hinzuzufügen, führten wir sieben kugelförmige Spiegel in verschiedenen Größen und Ausführungen ein. Diese Spiegel, manche bis zu einem Meter im Durchmesser, wurden zu beliebten Foto-Spots. Durch ihre konvexe Form erschien natürlich die gesamte Ausstellung in jedem aufgenommenen Foto. Konzeptionell spielten sie mit der Idee der Reflexion in einem Raum, wo Design eingeladen wird, sich selbst kritisch zu betrachten. Das stringente lineare Raster des Raums, abgeleitet von den gefliesten Wänden, der rhythmischen Anordnung der Lampen und den gerade verlegten Leitungen, wurde von den Spiegeln gestört, die deutlich andere Elemente waren. In ihren Reflexionen existierte keine einzige gerade Linie.

Close-up shots of a 1-meter convex traffic mirror mounted just above the ground
1 meter ø convex mirror
An image showing a urine-diverting toilet and a large poster with text and paint splashes in primary colors.
SAVE! by EOOS with convex corner mirror in the backround

Credits

Eine Ausstellung der VIENNA DESIGN WEEK im Auftrag der Wiener Klima-Biennale. Ermöglicht durch den Klima- und Energiefonds.

Kuratierung: Gabriel Roland

Zusätzliche Kuratierung: Alexandra Brückner, Laura Winkler, Studio Vandasye

Ausstellungsgestaltung: Designkollektiv Gemeinde-Bau (Max Kure, Leo Mühlfeld, Anton Posch)

Projektleitung: Alexandra Brückner

Teilnehmer·innen

Assembly of Technologies for Material Transformation through Fire
Johanna Seelemann / Pyrarium

Children's Table Children's Choice
überkochen e.V. / GOURMET Kids

Circular Design Rules 2.0
IDRV

CIRCULAR SHOWER
EOOS / Vöslauer

Das Fest des Wassers
Alexandra Fruhstorfer / Boehringer Ingelheim

FILL IT, Franzi.ist Goodgoods

Free To Reuse - Nachnutzung von Exportverpackungen
STUDIO RE.D / PAWEL PACKING & LOGISTICS

FUTURE CHIPS
EOOS 2022

GAIA - Compostable Object Series
Georg ADAM

inWASTEment glass
mischer'traxler studio

Klimadashboard: Daten & Fakten zur Klimakrise in Österreich
David Jablonski

LAUFEN save!
EOOS 2019

LICKING ROCKS STONE CUPS
simiaen.studio

Livin Farms "Hive Explorer" Insektenfarm für zu Hause
Katharina Unger

Membran - Stadt Vernetzen
Julia Habarda, Julia Hahnl, Frieda Teller und Tobias Kauer

Political Atmosphere
Felix Lenz

PUDDLE
ante up – Benedikt Stonawski & Hauke Unterburg

RAW CREAMER mini/regular
feinedinge porzellanmanufaktur gmbh

ROUGH
Jakob Glasner / Markus Well

Shaping residue
Christoph Wimmer-Ruelland

Tokens for Climate Care
Process – Studio for Art and Design OG

Trinkservice No.283 - Fortune - Editionen
Mark Braun / LOBMEYR

Wasteware
Barbara Gollackner

YOGI Hocker / Beistelltisch
ONE FOR HUNDRED